Karl Welunschek




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Für die Ausgabe „Servus Austria“ des Magazins „frame“ / Rubrik „I wanna tell you something“ verfasst Karl Welunschek folgenden Textbeitrag:


I AM A MUSLIM
PLEASE, DON’T PANIC


   Der Ausgangspunkt, das Leben richte sich nach der Kunst, nicht umgekehrt, verbürgt weder einen gesteigerten Optimismus noch Pessimismus gegenüber einer artifiziellen Welt, denn die Welt ist sowieso anders und zwar wie es Heiner Müller in Germania 3 auf den Nullpunkt bringt: DUNKEL GENOSSEN IST DER WELTRAUM SEHR DUNKEL. Dass Politik zur Kasperliade verkommt, liegt eben nicht an den lebendigen Figuren, denn diese sind nicht fähig, das Kasperltheater aufzuführen. Vielmehr mangelt es an politischem Bewusstsein der Puppenmacher. Mit der Zeit nach dem Konkordat nach 1855 – nicht weniger nach 1933 -wird der Genuss bürgerlicher und politischer Rechte unabhängig vom Glaubensbekenntnis zu einer moralischen Plattitüde, um Liberalen und Intellektuellen eine Scheinplattform der ohnedies unvermeidbaren Internationalisierung durch Einwanderungsströme einzugestehen. Noch bevor das Tauziehen über den Titel Intoleranz zwischen Multikulti und Fundamentalismus ausgebrochen ist, befinden wir uns rittlings mitten im gewalttätigen Karikaturenstreit. Ein Unsinn in sich. Die Karikatur als Waffe im gesellschaftspolitischen Konflikt.

   Geht es tatsächlich mehr um die verzerrte Darstellung als um den reinen Akt der Abbildung? Wie die Folter zum Krieg gehört, sei dieselbe darzustellen besonders niederträchtig. Anders lässt sich auch Abu Grahib nicht verstehen. Nur Österreich droht sich selbst, indem es die Stadtregierung von Rust, das idyllische Städtchen des Weins heuer ganz ohne Störche, weil Wasservögel grad nicht in sind, demonstrativ lobt und sein Konzept auf ganz Österreich angewendet werden soll. „Dass sie kein Mann ist, hilft lediglich zu verschönern, dass sie die Aufgaben des Staates nicht mehr zu erfüllen bereit ist.“ (Robert Menasse über Angela Merkel)

   Realität als Grimasse des Realen? Wem wollen wir eigentlich noch mit unseren fratzenhaften und obszönen Nachahmungen Tribut zahlen?

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Soziogramm, Karl Welunschek