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LEBEN+WERK

Als „Nestroy-Regisseur“ ist Karl Welunschek mehrfach in der Theatergeschichte und den Köpfen seiner Beobachter verankert; weiters als versessener Opern- und Theaterregisseur, Bühnenbildner, Schauspieler, Intendant, Kurator, Fotograf, scharfer Denker, Mentor, Förderer u.v.m. Gleich einem wandelnden Lexikon, das sich laufend selbst aktualisiert, verarbeitet Karl Welunschek mehr als 30 Jahre Erfahrung und Tätigkeit im deutschsprachigen Raum und Nahen Osten.

Leben und Wirken im Kurzporträt

   Geboren am 26.5.1955 in Wien ist Karl Welunschek als Arbeiterkind in der bürgerlichen Josefstadt aufgewachsen. Seine Mutter, Josefa, bricht mit einer langen familiären Tradition südsteirischer Großbauern, um Karl Welunschek senior, einen slowenischen Partisan, in Wien zu ehelichen. Dieser verstirbt jedoch früh 1974. Im Alter von fünf Jahren verliert Karl Welunschek beim kindlichen Versuch, den Knoten seiner Schnürsenkel aufzuschneiden, ein Auge.

   Den Anfang seiner Hinwendung zur Kunst setzt Karl Welunschek mit einer Lehre zum Buch-, Kunst- und Musikalienverleger im Traditionsbetrieb Musikhaus Robitschek in der Wiener Innenstadt. In dieser Zeit beginnt Welunschek eine autodidaktische Auseinandersetzung mit „Murphy“ von Samuel Beckett. Die Lehre schließt er mit Auszeichnung ab und wendet sich anschließend mit siebzehn Jahren einer Ausbildung an der Schauspielschule Krauss zu. Karl Welunschek verfolgt nebenbei eine cineastische und literarische Leidenschaft und beginnt ein Studium der Alten Musik. Nach einem längeren Aufenthalt im Nahen Osten konzentriert sich Karl Welunschek auf seine Tätigkeit als Theaterfotograf, Bühnenbildner und Regisseur.

   Bereits seine zweite Inszenierung „Unten durch“ von Heinz Rudolf Unger am Schauspielhaus Wien wurde für das Fernsehen aufgezeichnet, ebenso die kommenden zwei Inszenierungen. Für die fünfte Produktion, „Krapp’s last tape“ von Samuel Beckett im Museum für Moderne Kunst mit Robert Hunger-Bühler, erhält Karl Welunschek mit 22 Jahren seine erste Kainz-Madaille, die damals höchste Theaterauszeichnung im deutschsprachigen Raum. Die Bearbeitung dieses Stücks bringt dem „jungen Theatergenie“ und „Wunderkind“ internationale Anerkennung und öffnet viele Türen in der Zusammenarbeit und im Diskurs mit Künstlern wie Oskar Werner, Peter Brook, Peter Zadek, Helmut Qualtinger, Pier Paolo Pasolini, Julien Green u. v. m. Im Wien der frühen 1980er ist es der Kreis von Joe Berger, Wolfgang Bauer, Oswald Wiener, H. C. Artmann, Bernt Burchhardt, Kurt Kalb oder Franz Ringel.

   Als persönlichen Höhepunkt sieht Karl Welunschek die Gründung der freien Theatergruppe WIENER ENSEMBLE (1986-1996) gemeinsam mit Beatrice Frey, Andrea Braunsteiner und Michael Zerz. Das Wiener Ensemble steht für starkes Theater, das gleichermaßen schockiert und unterhält.

   Mit den zahlreichen Erfolgen und vor dem Hintergrund einer neuen Kulturpolitik – Kultur wird in Österreich zur Chefsache erklärt – setzt in Österreich eine Skandalisierung ein als enfant terrible und Nestbeschmutzer.

   In den 1990er Jahren wirkt Karl Welunschek vorwiegend als freier Regisseur in Deutschland, wo er unter anderem am Nationaltheater Mannheim, Schauspielhaus Frankfurt, in Hamburg und Düsseldorf inszeniert.
Als Kurator der Wiener Festwochen für das Ressort Israel lebt Karl Welunschek ein Jahr in Jerusalem, um die Expertisen unter der Festwochen-Präsidentschaft von Dr. Rudolf Scholten, ehemaliger Minister für Kunst, durchzuführen und Programmvorschläge vorzubereiten. 
Die Spektrumerweiterung als Opernregisseur beginnt mit der Inszenierung von „Der Zigeunerbaron“ (Johann Strauß) für die Staatsoper Ankara.
Welunschek kehrt erst 1999 auf Einladung nach Österreich zurück für eine Inszenierung der hoch besetzten Produktion „Der Zerrissene“ (Gottfried von Einem), eine Koproduktion der Staatsoper und Volksoper Wien.
Anfang 2000 beschert Welunschek dem Theater mit beschränkter Haftung und der Wiener Theaterszene eine sprichwörtliche „Volksvernichtung“ (von Werner Schwab), die an der Peripherie Wiens sechs Wochen ausverkauft läuft.

   Der Zustand der Wiener Theaterverhältnisse Ende der 1990er ist verheerend, mit dem Rücktritt Peymanns ist die letzte kritische Instanz gefallen. Unter dem Motto „Wien ist unglaublich geil“ eröffnet Karl Welunschek am 31. Dezember 2000 als künstlerischer Leiter das Rabenhof.THEATER in Wien Erdberg. Mit einer aggressiven Werbelinie zum Wiener Stadttheater ebnet Welunschek nicht die „Entsittlichung des Volkes“ (Der Standard vom 19. Mai 2001), sondern den Kultstatus des von Welunschek geprägten Trash-Theater.

   Karl Welunschek widmet sich vermehrt der Forschung und Beschäftigung mit mittel- und südosteuropäischer Kunst und Verlängerung dieser Achse in den Nahen Osten entlang eines Spartenfahrplans Darstellende, Bildende Kunst, Architektur, Film, Literatur, E- und U-Musik, Cross Over.
2005 gründet Karl Welunschek das erste austro-afrikanische Schauspielensemble Collective Les Nègres und inszeniert Jean Genets „Les Nègres“ dreisprachig in der Studiobühne der Grazer Oper.

   Karl Welunschek sucht nach neuen Inszenierungsräumen und konzentriert sich sowohl als Theoretiker als auch Ausstellungsmacher ab 2004 auf Museologie und Museumswesen. Für das neu strukturierte Stadtmuseum Graz leitet er die Abteilung Living Museum und ist darüber hinaus Kurator verschiedener Ausstellungen.

2007 gründet Karl Welunschek die WOLFGANG BAUER FOUNDATION und übernimmt die Funktion des President of the WOLFGANG BAUER FOUNDATION. Der Verein bezweckt die Förderung der internationalen Verbreitung des künstlerischen Werkes und des Andenkens an Wolfgang Bauer.

2009 wird Karl Welunschek eingeladen, für die Produktion "Am Wörthersee" (nach Thomas Koschat) die Produktionsleitung zu übernehmen und das Buch zu verfassen.

Neben Lesungen und Kuratatsarbeiten widmet sich Karl Welunschek wieder vermehrt Reisen durch den Balkan und nach Asien.

   Karl Welunschek lebt seit 2010 in Graz, Wien und Istanbul.